Penang – Schmelztigel der Kulturen

All you need to know about Penang – hier ist unser ultimativer Erfahrungsbericht!

Die Insel Penang mit ihrer Hauptstadt George Town ist wohl eine der multikulturellsten und damit interessantesten und vielschichtigsten Städte Malaysiens. Hier geben sich Malayen, Inder, Araber, Weiße und Chinesen die Klinke in die Hand. Auf der Straße der Harmonie treffen die Religionen der Welt aufeinander wie kaum anderswo – islamische Moschee, chinesischer Tao-Tempel, katholische Kirche und indischer Hindutempel liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Egal ob Streetart, Foodtour oder architektonisches Weltkulturerbe, an jeder Ecke taucht man in diese ganz besondere Welt ein, spürt man den Culture Clash, und verliebt sich jeden Tag ein bisschen mehr in diese einzigartige Metropole. Uns hat diese Stadt so sehr in ihren Bann gezogen, dass wir unseren Aufenthalt von geplanten drei Nächten auf sechs verlängert haben. Ein weiteres Kriterium, das für einen Besuch auf Penang spricht, ist das Wetter – annähernd 360 Sonnentage im Jahr laut Auskunft einer Einheimischen!

Anreise

Vom Fährhafen Kuah auf Langkawi gibt es gute Verbindungen nach Penang, aber natürlich auch vom Festland (Hafenstadt Butterfield). Der Ticketschalter befindet sich gleich hinter dem KFC-Restaurant, vor dem Drop-Off-Point der Taxi-Fahrer. Wegen der Passkontrolle sollte man etwa eine Stunde vor Abfahrt am Port sein. Leider wurden die Preise mit Jahresanfang 2019 empfindlich angehoben. Da Midori 2007 geboren ist und hier (Islam = Staatsreligion) ab 1.1. gerechnet wird, ist sie nach malaysischer Rechnung schon bei Jahresbeginn 12 Jahre alt, nicht erst an ihrem Geburtstag im Juli und zahlt somit voll. Pro Erwachsenen kostete die Überfahrt 70 Ringgit und für Damian 51 Ringgit; insgesamt umgerechnet 58 Euro. Die Fahrt mit der High Speed Ferry dauert 3 Stunden (Achtung! Warme Kleidung für die sehr stark gekühlte Fähre nicht vergessen!).

Facts & Figures

George Town (malaiisch auch Tanjung) ist die Hauptstadt der Insel Penang und des gleichnamigen Bundesstaats im Norden der „Peninsula“, wie die Einheimischen schlicht den Festlandteil Malaysiens nennen. Penang liegt in der Straße von Malakka, südlich von Langkawi. George Town befindet sich an der nordöstlichen Spitze der Insel und hat 178.358 Einwohner, überwiegend Chinesen. Rechnet man die Vororte hinzu, leben im Einzugsgebiet der Stadt insgesamt über 520.000 Einwohner. Die Gründung der Stadt geht auf die Briten im Jahr 1786 zurück.

How to get around in George Town – von günstig bis gratis

Malaysien verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur; der öffentliche Nahverkehr wird in Penang mit den Buslinien des staatlichen Rapid Penang bestritten. Die Busfahrten werden in modernen, klimatisierten Bussen zu sehr günstigen Tarifen angeboten. Das Netz ist so gut ausgebaut, dass man jeden Ort auf der Insel erreicht. Es werden sogar zwei kostenlose Linien angeboten, die an der Aufschrift „CAT“ (Central Area Transit) zu erkennen sind. Sie verkehren im Innenstadtbereich George Towns zwischen KOMTAR, dem Bushauptbahnhof, und der Busstation beim Fährterminal in zwei Richtungen. In Penang lohnen Busfahrten sogar zu viert – in vielen anderen Städten Asiens kam ein GRAB-Taxi günstiger.

World Heritage Houses – das Unesco Weltkulturerbe

Im Jahr 2008 wurde George Town gemeinsam mit Malakka als die „historischen Städte an der Straße von Malakka“ zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die beiden Städte bilden außergewöhnliche Beispiele multikultureller Handelsstädte Ost- und Südostasiens, gewachsen auf dem fruchtbaren Nährboden malayischer, chinesischer, indischer und europäischer Kulturen. Die Ko-existenz dieser Einwanderungsgruppen zeigt sich vor allem in der einzigartigen Architektur der Stadt. Insgesamt zählen 500 Geschäftsgebäude, Privathäuser und sakrale Bauten zum Kulturerbe. Die meisten werden noch bewohnt und genutzt. Durch die Ernennung zum Weltkulturerbe erfuhr die Stadt ungeahnten Aufschwung, wodurch viele verfallene Häuser renoviert und revitalisiert wurden. Heute erstrahlen die Bauten in neuem Glanz – Hotels, Restaurants, Bars, kleine Boutiquen und hippe Läden hauchen den alten Mauern neues Leben ein. Es ist eine wahre Freude, einfach so durch die Straßen zu ziehen und den alten Spirit zu atmen.

Clan Jetties

Auch die historischen Jetties (Bootsanleger) der chinesischen Clans wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Bis heute werden die Häuser auf den Jetties von Angehörigen der jeweiligen Clans, der Chew, Tan und Lee, um nur einige zu nennen, bewohnt. Nach Penang wanderten zahlreiche Chinesen aus, die aus verschiedenen Regionen Chinas stammten; teilweise sprachen sie völlig unterschiedliche Sprachen. Sie organisierten sich in Clans, um im neuen Umfeld rascher Fuß fassen zu können.

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Streetart in George Town

Im Fahrwasser des oben erwähnten Aufschwungs erhielt auch die Künstlerszene Auftrieb. Die Stadtregierung hat ihr übriges getan, um die Kunst zu fördern. So feiert man jährlich das George Town Festival und die Urban Xchange Projects, die die Stadt in den vergangenen Jahren zum kulturellen Dreh- und Angelpunkt der Region gemacht haben. In den letzten Jahren entstanden die Steel-Rod Skulpturen, derer es bis dato über 50 gibt, und andere Streetart wie zahlreiche bekannte Wall Murals. Die Steel-Rod Skulpturen beschreiben Szenen aus der Stadtgeschichte auf witzige, comic-hafte Weise, während viele andere beliebte Art-Spots eine Mischung aus Skulptur und Malerei darstellen. Um die Kunstwerke leichter finden zu können, publizierte das Tourist Information Centre einen entsprechenden Stadtplan. Folder wie dieser, aber auch einer, der die World Heritages Houses zeigt, liegen im Tourismusbüro in der Beach Street und so gut wie jedem Hotel auf.
Tipp: Die bekanntesten Werke findet man in der Armenian Street.

Foodtour George Town

Eine Stadt mit einem derart reichhaltigen kulturellen Erbe hat auch kulinarisch eine Menge zu bieten. Von indisch bis malaysisch, von chinesisch bis europäisch, von Fleisch bis vegan – in dieser Stadt ist definitiv für jeden etwas dabei! Daher haben wir der Restaurant-Szene in George Town einen eigenen Beitrag im Bereich Foodcourt gewidmet.

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Damian schmeckt’s beim Inder

What to do & to see in Penang

Free Tour George Town

Im Rahmen der etwa eineinhalbstündigen Free Tour erhielten wir einen groben Überblick über die Lage und Entstehung der Stadt. Im gemütlichen Stadtspaziergang streiften wir die Sehenswürdigkeiten nur, näher erkundet haben wir sie später auf eigene Faust.

Die Free Tour ist vor allem am Anfang des Aufenthalts in einer Stadt sehr empfehlenswert, da man einen guten Überblick über die Struktur, Geschichte, Sightseeing-Spots sowie Geheimtipps erhält. Möchte man in George Town teilnehmen, muss man sich am Tag der Tour um ca. 9.30 Uhr im Tourist Information Center in der Beach Street unweit des Hafens anmelden, um 10.30 Uhr geht es dann los. Kommen mehr als 20 Personen, wird eine zweite Gruppe gebildet. Eine Anmeldung am Tag davor oder online ist leider nicht möglich.

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Beach Street, George Town

Uns wurde ein recht unterhaltsamer Guide zugeteilt, der uns tolle Einblicke ins Leben und die Geschichte George Towns gab. Wir marschierten zunächst die Beach Street (Lebuh Pantai) entlang Richtung Hafen. Die Straße hat ihren Namen von der damaligen Lage direkt am Meer, erzählte uns der Guide gleich zu Beginn. Heute liegen zwei Straßenzüge dazwischen. Die Gebäude stammen allesamt aus der britischen Kolonialzeit, wodurch die Straße sehr europäisch wirkt. Zudem hat man in George Town die englischen Straßennamen beibehalten, ganz im Gegensatz zu Kuala Lumpur, wo man sie nach dem Ende der Kolonialzeit in malaysische umbenannt hat. Man ist stolz hier auf die Geschichte, denn die Engländer haben die Stadt nicht nur gegründet, sondern auch die erste Schule, die erste Polizeistation und vieles mehr etabliert. So legten sie den Grundstein für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

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Unser Free Tour Guide im Goddess of Mercy Temple

Rund um Fort Cornwallis & Queen Victoria Diamond Jubilee Clock Tower

Wir marschierten weiter Richtung Fort Cornwallis. Gleich nebenan liegt in einem Kreisverkehr am Hafen der Queen Victoria Diamond Jubilee Clock Tower, ein Uhrturm, der zu Ehren des 60. Thronjubiläums von Königin Victoria von England im Jahr 1897 errichtet worden war. Er misst exakt 60 Fuß – die Jahre ihres Thronjubiläums. Gegenüber dem Fort liegt das Government Gebäude, auf der anderen Seite das schöne Rathaus der Stadt, in dem bis zum heutigen Tag die Amtsgeschäfte George Towns erledigt werden. Alle Gebäude, die nach dem zweiten Weltkrieg in dieser Gegend im Stil der 1950er Jahre neu erbaut worden waren, füllen heute die Lücken jener Gebäude, die die Japaner im zweiten Weltkrieg in Luftangriffen auf die Stadt bombardiert und zerstört hatten, und stehen optisch in starkem Kontrast zu den alten Kolonialbauten.

Im Rahmen der Free Tour schnitten wir Fort Cornwallis nur von außen an, betreten haben das Fort aber natürlich nicht. In den folgenden Tagen unseres Aufenthalts in Penang erkundeten wir die Stadt auf eigene Faust. Das unserem Hotel nächstgelegene historische Gebäude war Fort Cornwallis, das direkt neben dem Fährhafen liegt. Es war unmittelbar nach Landung von Captain Francis Light und seiner Crew und der Einnahme der Insel Penang für das britische Königreich im Jahr 1786 dort errichtet worden. Das ursprüngliche Fort bestand aus Holz, erst 1793 wurde es in Ziegelbauweise in Sternform neu gebaut. Die Stadt selbst wurde nach dem britischen Monarchen George III. benannt, das Fort nach dem damaligen britischen Gouverneur von Bengal (Indien) Charles Marquis Cornwallis. In den ersten 100 Jahren seines Bestehens beherbergte es die Ostindien-Kompanie und die britischen Truppen. Penang war die erste südostasiatische Kolonie Englands.

Chinatown – muslimisches Viertel – Little India – Europäer

Nach Fort Cornwallis marschierten wir im Rahmen der Free Tour weiter in das erste chinesische Viertel der Stadt, dem Viertel der Kantonchinesen. Zunächst hatten hier portugiesische Einwanderer eine Kirche errichtet. Bald störten die chinesischen Händler den Gottesdienst mit ihrem lauten Marktgeschrei. Sie sind die bevölkerungsstärkste Einwanderergruppe in Penang. Die Katholiken übersiedelten an einen anderen Platz – nur 400 Meter weiter – und errichteten dort eine neue Kirche.
Die Tempel der Kantonchinesen sind an den beiden Fischen am Dachgiebel erkennbar. Sie sollten vor Bränden schützen. Die Chinesen bauten solide Feuermauern, sodass die Tempel seit damaliger Zeit erhalten geblieben waren.

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Tempel der Kanton-Chinesen mit den typischen Fischen am Giebel

In der Nähe befindet sich die erste anglikanische Kirche Penangs. Seit jeher gibt es Zwist zwischen der katholischen und der anglikanischen Kirche – dieser Streit schlug sich auch in Penang nieder. Obwohl nur etwa 10% der heutigen Bevölkerung Christen sind, blieb die Teilung. Es gibt getrennte Kirchen, Friedhöfe, Schulen usw. Wir haben außerdem bei Busfahrten Kirchen des Siebenten Tages, Baptisten Kirchen, evangelische, Zeugen Jehovas etc. gesehen. Trotz der geringen Zahl an Gläubigen ist eine Vielzahl an Konfessionen vertreten.

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Anglikanische Saint George Church in George Town

Stäbchen-Ritual im Taoistischen Tempel

Unser Weg führte uns in den berühmten Goddess of Mercy-Tempel der Kanton-Chinesen. Die Menschen kommen mit all ihren Anliegen hierher. Er hat uns in vielerlei Hinsicht an Vietnam erinnert. Unter anderem wird hier ebenso mit Stäbchen um eine Antwort auf verschiedene Fragen des alltäglichen Lebens gebetet. Beispielsweise beten auch Studenten um gute Noten. Dazu kniet man vor dem Altar und schüttelt einen oben offenen Behälter mit Stäbchen so lange, bis eines herausfällt. Auf dem betreffenden Stäbchen befindet sich eine Nummer. Eine Antwort befindet sich auf einem Zettel, der im Fach mit dazugehöriger Nummer in einem Setzkasten steckt. Man sieht die entsprechende Antwort ein. Ist man nicht ganz zufrieden, wirft man noch zwei Holzstücke, die Yin und Yan darstellen. Fallen sie auf die eine Seite, bedeutet dies, dass das richtige Stäbchen gefallen ist, fallen sie auf die andere, beginnt das Spiel von vorne. Erst, wenn das Ergebnis zufriedenstellend ausfällt, holt man sich das entsprechende Zettelchen. Gefällt die Antwort nicht, muss man sie (trotz der aufwendigen Prozedur) nicht annehmen. Außerdem gibt es auch einen Altar mit drei Tigern, die um Hilfe angerufen werden können. Man schneidet dazu die Form eines Menschen, an dem man sich rächen möchte (z.B. ein ungeliebter Nachbar), aus Papier aus, legt sie vor dem Altar ab und schlägt mit dem Schuh darauf oder mit einer Bananenschale. Man wünscht so dem Menschen schlechtes, z.B. auf einer Bananenschale auszurutschen. Geht der Wunsch in Erfüllung, opfert man den drei Tigern am nächsten Tag im Tempel. Unser Guide nannte es selbstironisch die chinesische Version des Voodoo. Man sieht, selbst die Chinesen (unser Guide war einer) nehmen die Sache nicht ganz ernst. Er meinte abschließend, dass sich die Chinesen nicht davor scheuen, auch zu anderen Göttern zu beten, sollten die taoistischen nicht weiterhelfen. Immerhin gäbe es ja zahlreiche andere Gotteshäuser in George Town und so ginge man zu den Hindus mit ihren vielen Göttern, bete zu Buddha und auch die heilige Maria sei sehr beliebt bei den Chinesen. Irgendjemand muss das Gebet doch erhören!

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Goddess of Mercy Temple in George Town

Besiedlungssystematik

Ganz in der Nähe befindet sich die größte und älteste Moschee der Stadt, die Kapitan Keling Moschee. Die Engländer hatten den arabischen Einwanderern den Grund für den Bau der Moschee geschenkt. So stellten sie sicher, dass die Muslime ihre Wohnhäuser rund um ihr Gotteshaus errichteten und so geschah es auch. Auf die gleiche Weise verfuhren die Engländer mit allen Religionsgemeinschaften. Es entstanden Viertel der Inder, Muslime und verschiedene chinesische Viertel. Warum verschiedene chinesische Viertel? China ist riesig und die einzelnen Volksgruppen sprachen völlig unterschiedliche Sprachen. Diese Auseinandersetzungen waren teils so gravierend, dass sie sich gegenseitig umbrachten. Deshalb liegen heute zwischen den chinesischen Vierteln die Stadtviertel anderer Ethnien. Gleich neben dem Islamischen liegt das nächste Chinesische mit dem Yap Tempel. Kennzeichen dieser Tempel sind die Drachen auf den Giebeln. Wie wir bereits in Hoi An (Vietnam) erfahren hatten, verhielt es sich auch hier so, dass Reisende aus China zu ihrem Community House gehen und um Unterschlupf bitten konnten. Auf diese Weise wurde ihnen von ihresgleichen geholfen; man versorgte sie mit einem Job, einer Unterkunft usw. Mit diesem System schafften es die Chinesen, sich rasch in einer Stadt zu etablieren und die chinesische Bevölkerung wuchs entsprechend rasch.

Straße der Harmonie – Jalan Masjid Kapitan Keling

Wir überquerten die Straße der Harmonie, so der inoffizielle Name – hier stehen die Gotteshäuser der vier Hauptreligionen: die St. George’s Church, die oben erwähnte Kapitan Keling Mosque (nach der die Straße benannt ist), der Goddess of Mercy Tempel der Chinesen und der Sri Mahamamamman Hindutempel. Man findet in George Town außerdem Buddhisten und unterschiedliche christliche Konfessionen. Alle vertragen sich hier seit Jahrhunderten, weil sich niemand beim anderen einmischt, erklärte unser Guide. Respekt vor anderen Kulturen und Religionen wird hier großgeschrieben – nur so konnten und können so viele unterschiedliche Nationen an einem Ort seit Jahrhunderten bestehen und sich verstehen. Welch eine Stadt!

Der Gangster Tempel – auch Diebe brauchen einen Zufluchtsort!

Ums Eck besichtigten wir einen Tempel, der den Dieben gewidmet war, der Gangster Tempel (Hock Teik Cheng Sin Temple). In ihm befanden sich zahlreiche Fluchttunnel. Sie waren so eng gebaut worden, dass die breit gebauten, britischen Polizisten den schmächtigen, chinesischen Flüchtenden nicht folgen konnten.

Little India

Schon am Geruch erkennt man es – little India. Bunte Saris, laute Bollywood-Musik, viel Schmuck für die Frauen und leckeres indisches Streetfood findet man in den belebten Gassen. Auf dem Rückweg zum Touristenzentrum marschierten wir durch dieses lebendige und farbenprächtige indische Viertel. Hier erklärte uns der Guide noch, dass die Menschen vor Öffnung der Geschäfte gelbe Pflanzenfarbe und Blumen vor das Geschäft schütteten, um so für einen guten Tag zu beten. Der erste Kunde des Tages sollte Glück für den restlichen bringen. Wenn der erste nichts kaufe, laufe der ganze Tag schlecht, glauben die Hindus. Daher kann man als erster Kunde recht gute Rabatte rausschlagen. Abends, wenn der Tag erfolgreich war, zerschlagen (opfern) sie eine Kokosnuss vor dem Geschäft und sagen so Dank. Auch darauf sind wir gestoßen – unsere Unterkunft befand sich in Little India.

Am Ende machten wir halt vor einem Gebäude in der Beach Street (wieder zurück am Ausgangspunkt). Hier ist ein deutscher Geschäftsmann zu Geld gekommen. Er hat die erste Straßenbeleuchtung in George Town eingeführt. Die Leute waren damals so begeistert, dass sie extra in die Beachstreet kamen, um dem Spektakel der allabendlichen „Erleuchtung“ beizuwohnen; immerhin hatte man damals keine TV-Geräte oder Smartphones und daher war das schon Aufregung genug! Nach dem zweiten Weltkrieg durften Japaner und Deutsche zehn Jahre lang nicht einreisen, aber bald wurden sie als wertvolle Wirtschaftspartner gerne wieder gesehen. Noch heute leben etwa 400 bis 500 Deutsche in der Stadt. Überhaupt sieht man in Malaysien viele Europäer, die sich hier für immer oder zumindest temporär niedergelassen haben. Malaysien wirbt sogar mit dem Slogan „Malaysia – my socond home“!

Die Führung war sehr informativ und kurzweilig. Sie dauert insgesamt etwa eineinhalb Stunden und ist kostenlos. Trinkgeld wird selbstverständlich gerne gesehen. Sehr empfehlenswert!

Erkundung auf eigene Faust

Tech Dome George Town – Big Fun for Kids

Ende Jänner war es extrem heiß und der Schweiß tropfte uns im Fort Conwallis von der Stirn. Also entschieden wir uns für eine Indoor-Aktivität. Die Kinder wünschen sich, in den Tech Dome Penang zu fahren, einem interaktiven Physik-Center. Schon bei unserer Ankunft in George Town wurden wir mit einer Vielzahl an Flyern, die für alle möglichen Freizeitaktivitäten warben, versorgt. Midori war vom Titelbild des Tech Dome Flyers wie magisch angezogen worden: darauf abgebildet war eine 30 Fuß hohe, vertikale Rutsche – das wollte sie unbedingt machen. Also, nicht wie los! Der Tech Dome liegt im höchsten Gebäude George Towns, im Komtar, wo auch der CAT-Bus und alle anderen Linien halten – er bildet den Verkehrsknotenpunkt George Towns. Also begaben wir uns per Bus dorthin (übrigens sind auch die kostenpflichtigen Busse recht günstig) und genehmigten uns zuerst ein günstiges Essen am Groundfloor des Gebäudes, wo auch die Einheimischen einkehren. Der Eingang zum Tech Dome liegt im vierten Stock des Komtars. Für ein Familyticket bezahlten wir 142 Ringgit (32 Euro). Dass man für die (einmalige) Nutzung der Rutsche, des Kletterturms und der Piloten-/Astronauten-Trainingskugel weitere 14 Ringgit bezahlen musste, ist doch etwas frech, denn genau damit wirbt der Tech Dome in seinem Flyer. Damian durfte nicht, da Kinder erst ab 130 cm Körpergröße zugelassen werden. Der Guide ließ ihn allerdings einmal hinaufklettern, als er seine enttäuschten Augen sah. Insgesamt hatten die Kids aber sehr viel Spaß und unser Nachmittag war wertvoll verbracht. Wir alle konnten eine Menge über Magnetismus, Fliehkräfte, Maße, Optik, Stromkreise, Elektromotoren, den menschlichen Körper wie Funktionen der menschlichen Organe, Knochenbau, Herz-Kreislaufsystem, aber auch Wetterphänomene, Elektronik, die ersten Computerspiele, und vieles mehr entdecken. Die Einrichtung war sehr gepflegt und up-to-date, alle Installationen interaktiv und ansprechend gestaltet, das Personal sehr nett und hilfsbereit. Empfehlenswerter Zeitvertreib bei zu heißem Wetter (Regenwetter gibt es in Penang kaum).

Penang Nationalpark

Der Penang Nationalpark rühmt sich mit seiner Größe. Nicht etwa, weil er so riesig wäre, nein, er ist der kleinste Nationalpark der Welt! Mit dem öffentlichen Bus Nr. 101 (rapid Penang) fuhren wir von George Town, Little India zum Penang Nationalpark (12 Ringgit je Fahrt für uns 4 – also nur ca. 2,5 Euro für eine fast einstündige Fahrt). Er liegt im äußersten Nordwesten der Insel. Nachdem wir uns am Eingang registriert hatten, marschierten wir Richtung Kerachut Beach los, dem Schildkröten Strand. Eintritt muss nicht bezahlt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, sich per Motorboot direkt vom Eingang des Parks zum Monkey- oder Turtle Beach bringen zu lassen oder von dort zurück zum Ausgangspunkt. Wir hielten dies aber für absurd, denn, wenn man schon in einem Nationalpark ist, sollte man möglichst umweltverträglich unterwegs sein. Laut Andi war es vor acht Jahren, als er zum ersten Mal in Penang war, wesentlich weniger touristisch – Bootsverkehr gab es damals nur in Ausnahmefällen, um beispielsweise Touristen nach Sonnenuntergang von den Stränden zu holen, wenn sie sich bei ihren Wanderungen in der Uhrzeit verschätzt hatten. Heute ist der Bootsverkehr leider gang und gäbe.

Wir marschierten zunächst auf betonierten Wegen los. Es waren überraschend viele Besucher unterwegs – sonntags wird der Park auch von Einheimischen stark frequentiert. Nach einem kurzen Stück von einigen 100 Metern teilte sich der Weg und wurde ab dieser Kreuzung ein Naturpfad, der nur teilweise von betonierten Treppen unterbrochen wurde. Stellenweise war die Steigung recht stark und die Wanderung daher im feucht-heißen Klima sehr schweißtreibend. Gut, dass wir drei Flaschen Wasser dabeihatten. Nach ca. 2,5 Stunden Wanderung durch den Dschungel waren wir am Turtle Beach angekommen und machten dort ein Picknick.

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Turtle Beach Penang

In Little India hatten wir uns vor unserer Abfahrt mit frischen Samosas und anderen indischen Köstlichkeiten (von denen wir den Namen nicht kennen) eingedeckt. Beim Essen hielten wir immer Ausschau nach Makaken, die gerne Essen stehlen. Aber wir hatten Glück, an diesem Strand halten sich keine auf. Der Strand selbst war anfangs leider etwas überlaufen, was sich aber im Laufe des frühen Nachmittags legte. Leider konnte man im Meer nicht baden, da aufgrund der hohen Wasserverschmutzung in der Straße von Malakka, ständige Quallenplage herrscht. Wir ruhten am Strand aus und genossen das Ambiente.

Bevor wir uns auf den Rückweg machten, besuchten wir das Schildkrötenrettungs- und aufzuchtzentrum, das im vorderen Bereich des Strands liegt. In kleinen Becken konnten wir Meeresschildkröten unterschiedlicher Größe sehen. Übernachtet man am nahegelegenen Campingplatz, könnte man das Glück haben, beim Aussetzen der kleinen Babyschildröten nachts am Strand dabei zu sein oder sogar mitzuhelfen. Spaziert man über den Strand, kann man noch die Krater der alten Nester erkennen.

Dann machten wir uns auf den Rückweg. Am Ausgang/Eingang des Nationalparks meldeten wir uns wieder ab warteten an der Bushaltestelle auf die Rückfahrt. Mit dem stark klimatisierten Bus (trockenes Ersatz-T-Shirt schadet nicht für die Rückfahrt) fuhren wir zurück nach George Town.

Botanischer Garten & Penang Hill

Eigentlich wollten wir am Tag nach unserer Nationalpark-Wanderung etwas entspannen. Daher beschlossen wir, einen gemütlichen Spaziergang im Botanischen Garten zu machen. Er liegt am Fuß des Penang Hills, der höchsten Erhebung der Insel. Von ihm soll man einen herrlichen Ausblick über George Town und die Umgebung haben. Derzeit kann man ihn aber nur zu Fuß erklimmen. Der Aufstieg soll sehr anstrengend sein. Aufgrund des anhaltend heißen Wetters verzichteten wir darauf. Den Botanischen Garten erreicht man ebenso wie alle anderen Ziele der Stadt per Bus (Rapid Penang).

Der Park ist sehr schön angelegt und man kann wunderbar Affen beobachten (nicht die eher aggressiven Makaken – schau ihnen nicht in die Augen!) Hier spielen neben den Makaken auch die ruhigen und friedlichen Brillenlangure in den Bäumen. Wir marschierten durch den Park und kamen wieder ins Schwitzen. Leider waren alle ehemals zugängigen Gewächshäuser geschlossen, dennoch ist der Botanical Garden einen Besuch wert.

Am Rückweg kamen wir an einer indischen Prozession vorbei, die im Rahmen des hinduistischen Pongal Festes (14. bis 15. Jänner) stattfand. Als Opfergabe wurden Kokosnüsse zerschlagen und zwei Ochsen zogen ein Gespann mit einem bunt behangenen Wagen. Darin befanden sich die Götterstatue und Opfergaben. Wir folgten dem Tross bis zum nahegelegenen Tempel. Hier entlud man die Statue und trug sie über 513 Stufen zum Tempel empor. Welch ein Spektakel!

Bahnhof von Georgtown

Der Bahnhof von George Town ist der einzige weltweit ohne Zug. Er wurde aus Prestigegründen in der Kolonialära von den Briten am Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Das schöne Gebäude beherbergte eine mondäne Wartehalle für die reiche Klientel. Die Fahrgäste mussten ihre Tickets im Bahnhof von George Town kaufen und wurden dann von dort abgeholt, mit der Fähre ans Festland nach Butterfield gebracht und konnten erst dort den Zug besteigen. Da dieses Konzept auf Dauer als zu umständlich erachtet wurde, ging man dazu über, die Reisenden direkt vom Fährterminal aus zu bedienen. Heute fährt man zunächst per Fähre nach Butterworth, von wo vom erst kürzlich neu eröffneten Terminal Busse und Züge in alle Richtungen fahren. Die Buchung kann heute online oder auch direkt vor Ort durchgeführt werden.

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Ehemaliger „Bahnhof“ von George Town

Einblicke in das politische System und das Alltagsleben Malaysiens

Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, erkannten wir in Gesprächen mit Einheimischen. Wie schon im Bericht über Langkawi erwähnt, wird Englisch in Malaysien sehr forciert. Das erleichtert die Kommunikation natürlich erheblich. Viele Malaysier sind sehr offen und freuen sich über Gespräche mit Besuchern ihres Landes. Andi hat schon bei seinem ersten Besuch auf Penang vor etwa acht Jahren bei einer einheimischen Lehrerin im Rahmen von Couchsurfing gewohnt – mit dieser Bekanntschaft ist er heute noch befreundet und wir haben sie bei unserem Aufenthalt ein paar Mal zum Essen getroffen. Restaurant- und Sightseeing-Tipps von Einheimischen sind immer die Besten!

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Mit Sarah beim Inder

Bei einem anderen gemütlichen und sehr offenen Gespräch bis tief in die Nacht mit dem amerikanischen Koch J. und der malaysischen Dragqueen M. (beide waren mit unserem Host gut befreundet; ihren Namen möchten wir aus Gründen des Respekts und ihrer Sicherheit hier nicht nennen) erhielten wir interessante Einblicke in das wahre Malaysien. So war uns nicht bewusst, dass es per Verfassung ein muslimisches Land ist. Als einziges Land der Welt ist es eine konstitutionelle Wahlmonarchie. Das Staatsoberhaupt ist der König (Yang di Pertuan Agong), der alle fünf Jahre aus einer Reihe von neun Adelsträgern (Monarchen der einzelnen Malaysischen Bundesstaaten) gewählt wird. Die Wahl findet nach dem Rotationsprinzip statt. Trotz des wirtschaftlichen Fortschritts muss sich die muslimische Bevölkerung strengen religiösen Regeln unterwerfen. Die Muezzins in den Moscheen rufen 5 mal täglich zum Pflichtgebet. Es gibt keine Entschuldigung, dem Gebet fernzubleiben, denn selbst an Tankstellen sind Gebetsräume eingerichtet, erzählte uns ein Taxifahrer. Die Religion ist untrennbar in der ID-Karte jedes Malaysiers vermerkt und die muss stets mitgeführt werden. Eine Sittenpolizei, die die Einhaltung der Regeln überwacht und gegebenenfalls straft, ist vielerorts anzutreffen. So dürfen Muslime keinen Alkohol trinken, als unverheiratete nicht gemeinsam in einem Auto sitzen oder in der Öffentlichkeit Händchen halten. Passiert dies, können sie gestraft werden. Für einen Muslim ist es auch nicht möglich, aus der Religionsgemeinschaft auszutreten oder zu einer anderen Religion zu konvertieren. Ist man als Muslime geboren, stirbt man als Muslime. Für die Dragqueen M. – Transsexualität ist in Malaysien ebenso ein Tabuthema und wird nicht gerne gesehen – ein Drama. Denn sie kann weder austreten, noch sich umbenennen lassen. So ein „Fall“ ist in der muslimischen Gesellschaft nicht vorgesehen. Man hat ihr geraten, sie solle zum König gehen, und um ihren Austritt aus der muslimischen Religion bitten. Er wäre der einzige, der dies genehmigen könnte. Das sei natürlich ein Scherz, denn solch einen Schritt würde niemals jemand in Malaysien wagen. Sie hat sich mittlerweile damit arrangiert und es existiert natürlich (vor allem in Großstädten) eine Parallelgesellschaft, die die tatsächliche Realität abbildet. Dragqueenshows stehen in KL ebenso am allabendlichen Programm, wie Treffen junger, unverheirateter Muslime. Man behilft sich mit Tricks, um eine Jugendszene zu schaffen. So z.B. gibt es in George Town eine Bäckerei, in deren Verkaufsraum man durch eine Kühlschranktür in eine andere Welt abtaucht – durch den Kühlschrank betritt man eine Bar, in der man Alkohol bekommt und sich mit Gleichgesinnten beider Geschlechter treffen kann.

Auf dem Lande geht es leider rückständiger zu. Die Mädchen werden schon früh beschnitten, um ihrem Gatten hörig zu sein. Viele werden nicht aufgeklärt und missbraucht. So passiert es leider häufig, dass ungewollte Schwangerschaften im Tod der Säuglinge enden – beinah täglich findet man Babys in Müllcontainern. Wie auch in vielen anderen Ländern der Welt, ist auch in Malaysien der Nationalismus auf dem Vormarsch. Um schlechter Nachrede und Sanktionen durch die Sittenpolizei vorzubeugen, fordern Eltern ihre Töchter auf, das Kopftuch zu tragen und sich sittsam zu kleiden. Die konservativen Strömungen werden leider immer stärker. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, wie fortschrittlich sonst das Land ist. Das schlimmste aber ist, dass diese Regeln ausschließlich für Muslime, nicht aber für andere Bevölkerungsgruppen gelten – Inder und Chinesen oder auch Buddhisten und Weiße dürfen Alkohol trinken, der allerdings hoch besteuert wird. Heiratet jemand aus einer anderen Glaubensrichtung eine/n Muslimen/in, so muss er/sie stets die muslimische Religion annehmen und kann nie wieder zurück in seine/ihre ursprüngliche Religion oder ganz austreten. Alle anderen Religionsangehörigen haben die freie Wahl. Der Gleichheitssatz und das Grundrecht zur freien Religionswahl, der in jeder westlichen Gesellschaft tief in den Verfassungen und Menschenrechten verankert ist, gilt hier nicht. Eine ganz andere Welt mit ihren eigenen Regeln hat sich uns offenbart, die für aufgeklärte Europäer schwer zu begreifen ist. Leider haben die Menschen keine Wahl und müssen sich ihren Gesetzen beugen. Hört man von derartigen Zuständen ist man vor allem als Frau aus Europa besonders froh, so privilegiert zu sein, gleichberechtigt leben zu dürfen (das bedeutet natürlich nicht, dass es im Bereich Frauenrechte hierzulande nichts mehr zu tun gäbe!), noch dazu, wenn gerade das Frauenwahlrecht in Österreich sein 100-jähriges Bestehen feiert.

So geht es weiter …

Von Penang reisten wir in die Hauptstadt Malaysiens, Kuala Lumpur. Unser Erfahrungsbericht dazu folgt in Kürze.

Links:

Penang auf Wikipedia
Penang Global Tourism (State Tourism Bureau) (auch auf den Sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram zu finden)
George Town World Heritage Inc.
Penang State Tourism Development Office
Penang Global Tourism SDN BHD
Tech Dome Penang (auch auf Facebook, Instagram und Snapchat)
The Esplanade Park (Heritage, Cultural, Food & Festival)
Malaysia – my second home

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