On a roadtrip through Vietnam, Part 3: Von der Küste in das zentrale Hochland

Vom kühlen Da Lat fuhren wir mit unseren Motorbikes über die den Himmelspass, dessen höchster Punkt auf 1.700 Metern über Meeresniveau liegt, nach Nha Trang. Wir genossen die ruhige, geschlungene Gebirgsstraße Richtung Küste. Für die anspruchsvolle Fahrt wurden wir mit fantastischen Ausblicken auf herrliche Bergpanoramen belohnt (siehe Titelbild).

Nha Trang – dem Beachlife frönen

Als nächsten Stopp hatten wir Nha Trang gewählt. Die Küstenstadt, die heute Heimat von 420.000 Einwohnern ist, hat sich in den letzten zwanzig Jahren vom verträumten Fischerort zum Hotspot für Touristen v. a. aus Russland und Vietnam entwickelt. Ein breiter, neu angelegter Boulevard führt entlang der von Hochhäusern und Hotels gesäumten Stadtstrände. Wir selbst sind nicht Befürworter von derartigen Betonbauten an schönen Sandstränden. Dieses Mal allerdings hatten wir ein Apartment in genau so einem Hochhaus gebucht. Dieses Schnäppchen – wir bezahlten nur 20 Euro pro Nacht inklusive in das Apartment geliefertem Frühstück – konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen: eine völlig neue, top ausgestattete Wohnung im 27. Stock mit Blick über die ganze Bucht. Wir konnten direkt aus dem Bett den Sonnenaufgang über dem Meer sehen!

Hòn Chồng

Gleich gegenüber unserem Apartment lag ein Felsen, der einer Legende nach den Handabdruck eines Riesen darstellt. Die schöne Felsformation namens Hòn Chồng ragt von der Bucht etwas ins Meer hinaus und bietet ein paar schöne Fotomotive. Da wir von unserer Unterkunft aus ständig Menschen auf den Felsen herumklettern sahen, beschlossen wir eines morgens, ihn bei einem schönen Spaziergang zu besichtigen. Vor allem einheimische Touristen wurden von der außergewöhnlichen Steinformation wie magisch angezogen. Am daran anschließenden Sandstrand, der direkt vor unserer Haustüre lag, konnte man wunderbar baden.

Cham-Tempel Ponagar

Aber Nha Trang hat noch mehr zu bieten. Wir besichtigten den Hindu-Tempel Ponagar des alten Champa-Königreichs, der im 8. Jahrhundert gegründet wurde. Der Haupttempel aus dem 11. Jahrhundert ist das letzte große Bauwerk der Cham-Kultur. Das Volk der Cham herrschte lange in Südvietnam und noch heute erinnern viele Tempelruinen an ihre Baukunst. Die Verehrung der Tempelgöttin Po Nagar, die heute noch die Schutzgöttin von Nha Trang ist, hat ihre Wurzeln in der Khmer-Kultur, die ihren Höhepunkt in Angkor Wat gefunden hat. Die Anlage ist sehr gepflegt, der Eintritt ist gering und der Ausblick von oben über das Meer atemberaubend. Daher kann man jedem Besucher von Nha Trang den Besuch dieses Cham-Tempels nur empfehlen.

Chùa Long Sơn

Die Pagode Long Sơn sticht schon von weitem ins Auge. Ihre alles überragende, weiße, 14 Meter hohe Buddhastatue thront am Gipfel eines Hügels, der sich hinter der eigentlichen Pagode befindet. Über etwa 150 Stufen gelangt man zur Statue und kann diese von hinten betreten. Im Inneren, gleich neben dem Eingang wartet schon ein alter Mann mit Räucherstäbchen. Man kauft ihm ein paar ab und betet am kleinen Schrein in der Buddhastatue; anschließend steckt man die Stäbchen in das dafür vorgesehene Gefäß. Auf halbem Weg zum Gipfel des Hügels befindet sich ein liegender Buddha, der ebenfalls einen Blick lohnt. Der Eintritt ist wie bei den meisten buddhistischen Tempeln frei. Daher sollte man ein paar Dong in die Spendenbox werfen, um den Erhalt der Tempel zu unterstützen. Wie bei jedem Tempelbesuch, egal, ob alt oder neu, sollte man auf angemessene Kleidung achten.

Quy Nhơn – Vietnams Miami

Nach drei wundervollen Tagen in Nha Trang packten wir wieder unsere Rucksäcke auf die Motorbikes und zogen weiter. Unseren nächsten Stopp auf dem langen Weg nach Hanoi machten wir in Quy Nhơn. Die etwa 280.000 Einwohner zählende Küstenstadt hat uns positiv überrascht. Hier herrschte wesentlich weniger Verkehr, es war viel ruhiger, die Strände waren sehr gepflegt, die Menschen viel neugieriger auf Touristen als in Nha Trang. Denn hier gibt es kaum ausländische Reisende. Quy Nhơn gilt als das Miami vietnamesischer Pensionisten. Es fällt einem gleich auf, dass hier wesentlich mehr alte Leute zu finden sind, als anderswo im Land. Vietnam hat insgesamt eine sehr junge Bevölkerung, der Großteil ist zwischen 25 und 29 Jahren alt.
Gleich am ersten Abend lernten wir am Strand einen jungen Vietnamesen kennen, der uns einfach angesprochen hatte (wir waren die einzigen Ausländer am Strand). Er wollte sein Englisch trainieren. Wie viele junge Vietnamesen hatte er Englisch studiert, um im Tourismussektor arbeiten zu können. Gerne unterhielten wir uns und erhielten interessante Einblicke in das Leben und die Gepflogenheiten der Einheimischen. Da wir schon recht hungrig waren, fragten wir ihn nach einer Restaurantempfehlung und wurden prompt an ein einheimisches Seafood-Lokal verwiesen. Quy Nhơn ist ja berühmt für sein vielfältiges Essen aus allerlei Meeresgetier und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

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Sightseeing in Quy Nhơn

Am nächsten Morgen regnete es stark und so blieben wir beim Frühstück etwas länger sitzen. Dabei lernten wir eine nette junge Frau aus Deutschland kennen, die ebenfalls durch Vietnam reiste. In einem interessanten Gespräch tauschten wir unsere Erfahrungen aus und lernten uns besser kennen. Da wir uns gut verstanden, verabredeten wir uns für den Abend zum Essen. Auch der junge Vietnamese, den wir am Tag zuvor am Strand kennengelernt hatten, wollte mit uns essen gehen. So verbanden wir die beiden Verabredungen zu einer.
Am späten Vormittag, als der Regen endlich nachgelassen hatte, beschlossen wir, die Stadt zu besichtigen. Wie die meisten vietnamesischen Städte besitzt auch Quy Nhơn keine typische Altstadt, wie man es von Europa gewöhnt ist. Aber wir hatten gehört, dass es auch hier einen alten Cham-Tempel geben solle.

Twin Towers – Thap Toi

Quy Nhon war im 11. Jahrhundert ein wichtiger Hafen des alten Champa Königreichs. Davon zeugen noch heute zahlreiche Türme in diesem Gebiet. Zwei davon findet man in einem netten, kleinen Park im nördlichen Teil der Stadt. Die alten Cham-Türme, auch Twin Towers genannt, in Quy Nhon sind etwas unspektakulärer als jene in Nha Trang, aber dennoch einen Besuch wert. Die beiden Türme befinden sich aufgrund umfangreicher Restaurierungsarbeiten in einem guten Zustand. Der Eintritt belief sich auf 20.000 Dong pro Erwachsenen und 10.000 für Kinder, insgesamt umgerechnet also etwa 2,20 Euro. In beiden Türmen befinden sich kleine Schreine, in denen Räucherstäbchen entzündet werden können. Beim Besichtigen entdeckten wir auf einer Parkbank sitzend unsere Hotelbekanntschaft vom Frühstückstisch. Sie genoss gerade das Flair dieses Orts. Kurzerhand zogen wir gemeinsam weiter. Im Anschluss an die Cham-Türme entdeckten wir ganz in der Nähe einen schönen buddhistischen Tempel, die Long Kahnh Pagode.

Long Kahnh Pagoda

Die Long Kahnh Pagode ist die Hauptpagode der Stadt. Sie wurde 1715 von einem chinesischen Händler gegründet und beherbergt eine 17 Meter hohe Buddhastatue aus dem Jahr 1972. Sehenswert sind auch die zahlreichen Bonsais um die Buddhastatue. Besonders hier in Vietnam fällt uns zunehmend auf, dass in den buddhistischen Tempelanlagen auch Bonsais von den Mönchen in liebevoller und jahrelanger Pflege gezogen werden.

Von der Küste in das zentrale Hochland – auf Ho Chi Minhs Pfaden

Nach zwei Tagen in Quy Nhon zogen wir weiter. Wir hatten beschlossen, über den Ho Chi Minh Pfad durch das zentrale Hochland Vietnams zu fahren. Der ewige Volksheld Ho Chi Minh ist bis heute allerorts präsent und beliebt, obwohl sich sein Todestag im Jahr 2019 zum 50. Mal jährt. Zurzeit findet man im ganzen Land sozialistische Plakate anlässlich dieses Jubiläums. Der Ho Chi Minh Pfad umfasst ein ganzes Netz von Straßen, die zwischen Nord- und Südvietnam, teilweise auch durch Laos und Kambodscha verlaufen. Er diente als Versorgungspfad im Indochina- und später auch im Vietnamkrieg gegen die Amerikaner und Südvietnam. Einen Teil dieses Pfades fuhren wir mit unseren Bikes.

Kon Tum – Freundlichkeit pur im zentralen Hochland

Unser erster Abschnitt führte uns von Quy Nhon nach Kon Tum, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Landschaft bot immer wieder sehr idyllische Ausblicke auf atemberaubende Bergpanoramen, aber leider spielte das Wetter nicht mit. Zugegeben, die sanften Hügel mit den über ihre Gipfel ziehenden Regenschwaden hatte ihren Reiz. Da es sehr viel regnete, war die Fahrt über die holprigen Straßen aber recht anstrengend. Dennoch genossen wir den Ride über die bergige Landschaft, die zwischendurch immer wieder von kleinen Siedlungen mit freundlichen Einheimischen durchbrochen wurde. Die Kinder hüteten die Kühe und trieben sie über die Straßen. Ihre Hautfarbe war merklich dunkler, als jene der Stadtbevölkerung an der Küste. Hier in den Bergen wohnen verschiedene ethnische Minderheiten, die zur ärmeren Bevölkerung Vietnams zählen. Die Kleidung wirkte recht zerschlissen, so auch die Hütten. Charakteristisch für die Bauweise der traditionellen Behausungen, die in manchen Orten noch erhalten ist, sind das Holzfundament auf Stelzen und die hohen Strohdächer. Obwohl die Menschen hier ein hartes Leben führen und den Komfort abseits der Städte entbehren, lächelten sie sehr freundlich. Die meisten Kinder strahlten über das ganze Gesicht und winkten uns schon von weitem, laut „Hello!“ rufend, zu. Tja, in das Hochland verirren sich nicht viele Ausländer.
Als wir endlich in Kon Tum angekommen waren, hatte es zu regnen aufgehört. Die knapp 500.000 Einwohner zählende Stadt ist sehr gepflegt, mit guten Straßen. Das Hotel, das wir am Vortag gebucht hatten, war erst drei Monate zuvor eröffnet worden, also nagelneu und das einzige seiner Art in der Stadt. Der Rezeptionist war extrem kinderfreundlich. Wir spazierten durch die Straßen der Stadt, besichtigten einen buddhistischen Tempel und eine katholische Kirche und wurden sehr neugierig beäugt.

Đắk Glei – kleines Dorf am Ho Chi Minh Pfad

Am nächsten Tag ging es weiter nach Đắk Glei, einem kleinen Dorf am Ho Chi Minh Pfad. Auf der Fahrt wurden wir dieses Mal bei herrlichem Wetter mit wunderschönen Ausblicken auf Kaffeeplantagen, Dörfer der Bergvölker, viele winkende und lächelnde Kinder beschenkt. Der Rezeptionist aus dem Hotel in Kon Tum hatte den Kindern beim Auschecken eine Menge Kekse auf die Fahrt mitgegeben. Da Damian und Midori ohnehin immer genug Süßigkeiten bekamen, forderten wir sie auf, die Kekse an Kinder am Straßenrand zu verschenken. Jedes Mal, wenn wir eine Menge Kinder sahen, hielten wir an und Damian hatte die größte Freude beim Verteilen der Leckereien. Die Kinder der Bergdörfer waren unglaublich erstaunt, konnten es gar nicht fassen, von einem kleinen europäischen Jungen beschenkt zu werden.

In Đắk Glei angekommen, hielten wir nach einer Unterkunft Ausschau. Eine Onlinebuchung war in dieser Region nicht möglich gewesen, also versuchten wir so unser Glück. In Đắk Glei gab es ein paar kleine Homestays, die allerdings allesamt recht einfach und heruntergekommen waren. Doch für eine Nacht war die Unterkunft, die wir dann gefunden hatten, ganz okay. Nachdem wir unser Gepäck untergebracht hatten, schlenderten wir durch den kleinen Ort und wurden zu unserem Erstaunen von allen Seiten freundlich begrüßt. Manchen Menschen stand bei unserem Anblick sogar der Mund offen. Viele Frauen fassten die Kinder (vor allem die blonden Haare Midoris) an. Wir spazierten an einem Haus, in dem ein Kindergeburtstag stattfand, vorbei und alle Kinder kamen sofort heraus und freuten sich unglaublich. Sie wollten uns zur Party einladen! In einem Lokal, in dem wir zu Mittag aßen, versammelten sich nach und nach immer mehr Einheimische, um uns zu beobachten – ein wirklich sonderbares Gefühl. Schon in Kon Tum war es uns ähnlich gegangen. Bevor wir uns nämlich auf den Weg nach Đắk Glei gemacht hatten, hatten wir noch Halt bei einer hölzernen Kirche in Kon Tum gemacht. Es war Sonntagmorgen und daher recht belebt vor der Kirche. Viele von ihnen wollten mit uns vor dem Kirchenportal Fotos schießen. Wir haben freundlich zugestimmt und sie haben uns anschließend voller Stolz die Bilder mit uns gezeigt.

Tags darauf folgten wir weiter dem Ho Chi Minh Pfad Richtung Küste. Unser nächstes Ziel war die alte Handelsstadt Hoi An. Unser Weg führte uns wieder durch die wunderschöne Berglandschaft. Mit dem Wetter hatten wir auch dieses Mal Glück. Am Nachmittag kamen wir in unserer Unterkunft in Hoi An an. Was wir in dieser zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Stadt erlebt haben, lest ihr hier!

Links

Nha Trang auf Wikipedia
Cham-Tempel Po Nagar in Nha Trang
Long Son Pagode
Quy Nhon auf Wikipedia
Demografie Vietnams

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