Ruheoase im Mekongdelta

Auf dem Weg von Phú Quốc Richtung Ho Chi Min City, vormals Saigon, durchquert man zwangsweise das riesige Delta des Mekong. Diese wunderschöne Region Vietnams wollten wir nicht nur am Autobusfenster vorbeiziehen lassen, sondern in vollen Zügen genießen. Also buchten wir ein paar Nächte in einem traditionellen Homestay direkt am Flussufer und waren für einige Tage mittendrin statt nur dabei.

Die Vietnamesen nennen die neun Hauptarme, die das Delta umfassen, auch den „neunköpfigen Drachen“. Hier im Süden ergießt er sich nach etwa 4.500 Kilometern und der Durchquerung von neun Ländern in das Südchinesische Meer. Er zählt damit zu den zwölflängsten Flüssen der Welt. Das Delta umfasst eine riesige Region im Süden Vietnams.  Seine Fläche wird je nach Quelle mit 39 – 70.000 km² angegeben. Sie variiert stark, beeinflusst von den Jahreszeiten, der Regen- und der Trockenzeit. Die Ausmaße sind gewaltig, denn das Gebiet zählt neben den Hauptarmen noch unzählige größere und kleinere Nebenarme. Aufgrund des fruchtbaren Schwemmlandbodens und des günstigen Klimas wird im Mekongdelta seitjeher intensive Landwirtschaft betrieben. Allein Reis kann dreimal jährlich geerntet werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Obstplantagen; der Mekong selbst ist nicht nur wichtiger Transportweg, sondern auch Lieferant zahlreicher Fischarten.

Traditionell leben die Menschen sehr verbunden mit dem Fluss und seinen zahlreichen Kanälen. Beinahe jedes Haus hat einen Zugang zum Wasser. Man erreicht viele Häuser gar ausschließlich über den Wasserweg. Für manche Familien ist das Boot ihr einziger Besitz, sie leben auf ihm und von ihm, kochen, waschen, gärtnern, handeln und transportieren Waren.

Vĩnh Long

Wir verbrachten vier Tage auf einer kleinen Insel im Mekong, der An Binh Island. Unser Homestay lag ganz im Norden der Insel und grenzte direkt an den Mekong. Die Anreise gestaltete sich zwar als nicht ganz einfach, aber Abenteuer ist unser zweiter Vorname. Auf halbem Weg von Rach Gia nach Ho Chi Min City liegt die Busstation Satra der Busgesellschaft Futa-Bus, mit der wir in einem der bequemen Sleeping Busses unterwegs waren.

 

Sie befindet sich ganz in der Nähe der Stadt Vĩnh Long, die die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist. Vĩnh Long selbst wird von den Bussen nicht angefahren. Von dort wäre der Transport zu unserem Homestay wesentlich teurer gewesen. Unsere Hosts organisierten freundlicherweise die Abholung vom Busbahnhof. So wurden wir zunächst mit vier Motorbike-Taxis samt Gepäck zu einem kleinen Bootsanleger gebracht und von dort vom Vater der Betreiberin des Guesthouses abgeholt. Wir landeten direkt am Steg des Homestays.

 

Bei einem Hot Pot mit Huhn, Gemüse und Reis im Stelzen-Restaurant genossen wir unseren ersten Sonnenuntergang am Mekong und verliebten uns sofort in dieses wunderschöne Fleckchen.

 

Am nächsten Tag borgten wir uns vier Fahrräder aus und radelten die kleine Insel ab. Es ging auf sehr schmalen Wegen durch Obstplantagen, über kleine Brücken, vorbei an Wohnhäusern, kleinen Geschäften und Friseurstuben, Floating Schools, Kirchen und Tempeln. Die Landschaft war wunderschön, aber das Fahren erforderte aufgrund des Gegenverkehrs anfangs gute Koordination und Konzentration.

 

Bootstour zum Floating Market nach Cái Bè

Über unser Guesthouse buchten wir einen Bootsausflug zum Market nach Cai Be. Das Frühstück, das wir schon am Vorabend geordert hatten, wurde an jenem Morgen just in dem Moment serviert, als wir uns an den Tisch setzten. Unser Bootskapitän wartete geduldig bis wir fertig waren und los ging die Fahrt. Aufgrund der Regensaison waren kaum Gäste im Homestay und so wurde die Tour für uns vier allein veranstaltet. Zunächst fuhren wir zu einem nahegelegenen kleineren Kanal und stiegen in ein kleines traditionelles Ruderboot um. Eine freundliche Vietnamesin ruderte uns gemächlich durch den Kanal und wir konnten in aller Ruhe die Ausblicke auf Obstgärten und traditionelle Häuser genießen.

 

Anschließend ging es mit dem Ausflugsboot weiter nach Cai Be. Die Fluss-Land-Mischstadt mit etwa 290.000 Einwohnern ist eng am Wasser gebaut. Jedes Haus scheint einen Land- und einen Wasserzugang zu haben. Noch vor wenigen Jahren wurden wesentlich mehr Waren auf dem Mekong auf Booten transportiert. Heute wird vieles auf Motorbikes am Landweg erledigt. Damit sterben die Floating Märkte aber leider nach und nach aus. An dieser Stelle müssen wir anmerken, dass der „Floating Market“ so wie man ihn sich als Tourist vorstellt in Cai Be nicht stattfindet. Die Obst-, Gemüse- und Reisbauern verkaufen ihre Waren von ihren Booten aus an die Händler, die sie zum Markt bringen und dort an den Endkunden verkaufen. Jedes Boot signalisiert mit einer am Boot emporragenden Bambusstange, an der beispielsweise eine Frucht hängt, welche Waren aus diesem Boot verkauft werden. Dieser Markt findet zwischen 3 Uhr früh und 9 Uhr vormittags statt. Da wir erst um 7.30 Uhr aufgebrochen waren, bekamen wir nicht mehr viel davon mit. Auf den folgenden Fotos sieht man z.B. ein Boot von Reisbauern. Mit dem Reishut an der Stange zeigen sie an, dass sie Reis verkaufen, ein weiteres Boot verkaufte Süßkartoffeln.

 

Vorbei an den Booten steuerten wir in das Zentrum von Cai Be. Wir legten bei einer Fabrik an, die Süßigkeiten aus Reis erzeugt. Bereitwillig zeigte man uns, wie die verschiedenen Leckereien aus Puffreis und Früchten zubereitet werden. Kostproben gab’s natürlich auch. Mmmh!

 

Wo Reis verarbeitet wird, wird auch Reisschnaps erzeugt. Auch davon bekamen wir gleich am frühen Morgen ein Stamperl. Eine besondere Spezialität war die in Reisschnaps eingelegte Kobra. Es gab auch welchen mit Schlange und Skorpion …

 

Auch aus Kokos werden in reiner Handarbeit Zuckerl und knusprige Fladen erzeugt.

 

An die Erzeugung war auch ein kleiner Verkaufsraum angeschlossen und vor allem die Kinder freuten sich über die Auswahl an Süßem, von dem wir natürlich auch etwas kauften. Abschließend fuhr uns unser Guide zum großen Markt von Cai Be. Einige Stände waren nichts für schwache Mägen. So wurden wir Zeugen, wie die Marktfrauen den Fröschen bei lebendigem Leib die Haut abzogen, indem sie sie auf der Bauchseite mit der Schere aufschnitten und nach oben hin enthäuteten. Die armen Tiere lebten noch einige Minuten in diesem Zustand weiter.

 

Damian war etwas schockiert, als ein Gockelhahn mitten am Markt enthauptet wurde. Als Europäer ist man es gewohnt, das fertig zerlegte Tier im Tray in Folie eingeschweißt im Supermarkt zu kaufen. Den Prozess der Schlachtung nimmt man im Westen nicht war. Insgesamt war die Fleischabteilung auf diesem Markt zwar etwas gewöhnungsbedürftig, spiegelte aber die Realität authentischer wider als wir es durch die automatisierten Abläufe in den Schlachthäusern Österreichs, die eher im Verborgenen operieren, je erfahren. Wir wechselten in die Obst- und Gemüsegassen und besorgten lieber hier ein paar Vitaminbomben.

 

Zurück in unserer Unterkunft genossen wir den restlichen Tag im Pool und am Mekong. Das Abendessen nahmen wir wieder im Stelzen-Restaurant am Fluss ein. Was wir auch von der Karte bestellten, jede einzelne Speise war ein Gedicht. Wir hatten nie das Bedürfnis, anderswo essen zu gehen. Frische Früchte gab es immer kostenlos.

 

Stets wurden alle bestellten Gerichte gleichzeitig serviert, die Getränke schon vorher. Das klingt nicht besonders außergewöhnlich, aber in Südostasien passiert es recht häufig, dass die Getränke erst kommen, wenn man schon längst aufgegessen hat. Auch das Preis-Leistungsverhältnis war unschlagbar. Unsere Gastgeberin las uns jeden Wunsch von den Augen ab und war stets bemüht, unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

 

Am letzten Tag unternahmen wir eine Radtour nach Vinh Long. An der Fähr-Anlegestelle besuchten wir den sehr gepflegten taoistischen Tempel Chua Tien Chau. Vinh Long selbst ist nicht unbedingt sehenswert, bietet aber als wirtschaftliches Zentrum der Region alle infrastrukturiellen Annehmlichkeiten, die man braucht, kurzum: wir hatten endlich einen Geldautomaten gefunden. Auf der Rückfahrt entdeckten wir den einzigen ATM der Insel An Binh, der in Google Maps falsch verzeichnet ist. Wer ihn sucht, er befindet sich direkt neben dem kleinen Krankenhaus, das wohl eher eine Rot-Kreuz-Station ist.

 

Fazit

Das Mekongdelta war einer unserer Lieblingsspots. Diese Region können wir jedem Vietnam-Reisenden nur ans Herz legen. Wer das wahre Landleben erleben möchte, sollte unbedingt in einem Homestay bei einer vietnamesischen Familie übernachten. Unschlagbar war der herrliche Ausblick am Mekong. Gedankenverloren beobachteten wir jeden Abend den Schiffsverkehr, die Fischer, die abends mit ihren kleinen Fischerbooten kamen, um die Netze einzuholen und die Sonnenuntergänge. So könnte jeder Tag ausklingen … wir genossen jeden Augenblick.

20181001_MekontDelta_HappyFamilySunset_rillazontour (15)

Kosten

Für das Familienzimmer mit zwei Doppelbetten und Ventilatoren bezahlten wir zu viert inklusive Frühstück 20 Euro pro Nacht (Nebensaison). Wir durften alle Bereiche des Homestays nutzen. Es gab u.a. einen Billiardtisch, einen Tischfußballtisch, Dart, Hängematten, zahlreiche kleine Ruheoasen, einen Gemeinschaftsraum mit TV und Sat, nicht zu vergessen den Pool. Für den Bootsausflug bezahlten wir inklusive Ruderbootfahrt, Besuch der Süßigkeitenfabrik und Besuch des Marktes in Cai Be 700.000 Dong (ca. 25 Euro). Ein Essen für die ganze Familie kostete im Homestay ca. 10 Euro, und es war jedes Mal so viel, dass wir es kaum aufessen konnten. Fahrräder durften wir kostenlos ausleihen. Auch Motorbikes kann man direkt dort ausleihen.

Links

Mekongdelta auf Wikipedia
Happy Family Guesthouse (Thuy An Homestay) – search and book on Agoda
Futa Bus

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s