Städte Kambodschas: Siem Reap – Battambang – Phnom Penh – Sihanoukville

Nach unserem ausführlichen Artikel über die Tempel von Angkor, wollen wir in diesem Reisebericht unsere Erfahrungen, die wir auf unserem Roadtrip durch Kambodscha und in den von uns besuchten Städten gemacht haben, mit euch teilen.
Unseren ersten Stopp machen wir in Siem Reap, vor allem um die Tempel von Angkor zu besichtigen, aber auch die Stadt selbst …

Siem Reap

Siem Reap war die erste kambodschanische Stadt, die wir besucht haben. Aufgrund der hohen Fluktuation an ausländischen Touristen aus aller Welt, bietet sie Reisenden viele Annehmlichkeiten, die andernorts in Kambodscha nicht so einfach zu finden sind. Die Pubstreet und der Alte Markt „Phsar Chas“ sind nach Sonnenuntergang das pochende Herz der Stadt. In der Pubstreet treffen sich hauptsächlich junge Backpacker, um Party zu machen. Ein gezapftes Bier bekommt man in vielen Pubs schon um 0,50 US-Dollar. Gleich daneben liegt der Markt. Hier findet man alles, was das Touristenherz begehrt: T-Shirts ab 1 US-Dollar, Schmuck, handgefertigte Waren, Essen von Ständen, aber auch aus internationalen Restaurants (Achtung! zu relativ hohen Preisen) gleichermaßen wie von Streetfood-Ständen, Fruchtshakes und Pancakes in allen erdenklichen Variationen. Hier kann man auch Khmer-Kochkurse absolvieren – dazu gehört auch der Einkauf der Lebensmittel auf dem traditionellen Teil des Markts gemeinsam mit dem Koch und das anschließende Kochen sowie der Verzehr der Speisen. Möglich ist dies beispielsweise bei „Le Tigre de Papier“ in der Pubstreet. Es gibt aber viele andere Anbieter. Reiseführer, Trip Advisor oder andere Reiseportale geben vielfältige Tipps.

 

Man muss schon etwas suchen, um günstigere Khmer-Küchen als jene auf dem touristischen Markt zu finden. Häufig werden Küchen erst am Abend neben einer belebten Straße aufgebaut, kochen für etwa 3 Stunden und räumen dann alles samt Tischen und Küche wieder weg. Solch eine Küche haben wir ganz in der Nähe unseres Hotels entdeckt. Der Koch war, bevor er sich mit der Streetfood-Küche selbständig gemacht hat, Koch in einem 4-Sterne-Hotel, hatte dort aber für extrem lange Arbeitszeiten nicht adäquat verdient und sich daher selbständig gemacht. Mit einfachsten Mitteln, frischen Zutaten, ein paar helfenden Händen seiner Verwandten bereitet er für 1 bis 2,50 Dollar köstliche Speisen rasch und frisch zu; neben frischer Khmer-Gerichte wie Amok auch westliche Gerichte, wie Hamburger oder Spaghetti Cambonara (die kambodschanische Version). Vielerorts wird auch recht gute Pizza angeboten. Insgesamt gibt es ein wesentlich breiteres Angebot an europäischen Speisen – häufig findet man Bäckereien und Cafés – als in Thailand. Vor allem in diesem Aspekt ist die koloniale Vergangenheit zu spüren.

 

Unterwegs ist man in der Stadt mit Tuk-Tuks – die Dichte ist hier am allergrößten verglichen mit anderen Städten des Landes und das spiegeln auch die Preise wider – in Siem Reap fährt man am billigsten – für 50 Cent bis 1 Dollar kommt man in die Innenstadt. Und es hat einen weiteren Grund, weshalb es gerade hier so viele Tuk-Tuks gibt: der Archeological Park Angkor darf nicht von Touristen mit Leihmotorrädern auf eigene Faust besucht werden. Daher nehmen die meisten Touristen – sofern es keine organisierte Gruppe im Bus ist – ein Tuk-Tuk. Kaum bewegt man sich auf der Straße wird man pausenlos gefragt, ob man nicht ein Tuk-Tuk nehmen möchte. Vor allem nach Siem Reap kommen viele junge Kambodschaner, um mit Tuk-Tuk-Fahrten ihr Geld zu verdienen. Als Bauer auf dem Land ist kein Geld zu verdienen, sagte uns ein junger Tuk-Tuk-Fahrer. Sie leben von der Hand in den Mund – für viele ist das Fahrzeug ihr einziger Besitz und sie schlafen sogar im Tuk-Tuk.

 

Im Gegensatz zu Thailand verhandeln die Kambodschaner gerne und nennen zunächst immer total überhöhte Preise. Egal, ob Tuk-Tuk-Fahrer oder fliegende Händler vor den Tempelruinen. Gerne wird auch vor Tempeln von Behinderten gebettelt. Vielerorts haben sich auch Trickbetrüger eingenistet. Es ist für Touristen häufig schwierig zu unterscheiden, wer wirklich bedürftig ist und wer nur so tut. Grundsätzlich muss man bei sehr freundlichen, sauber gekleideten, sehr gut englischsprechenden Kambodschanern besonders vorsichtig sein. Sie versuchen, mit gefinkelten Tricks Geld zu lukrieren, erzählen z.B. sie seien Lehrer und bräuchten das Geld für Schulmaterial. Kauft man die überteuerten Hefte gemeinsam mit dem vermeintlichen Lehrer, gibt dieser sie später dem Händler zurück und teilt sich den Gewinn mit ihm. In Siem Reap sitzen vor manchen Supermärkten Frauen mit Babys und betteln um Geld für Milch. Hier wird derselbe Trick angewandt, den der „Lehrer“ verwendet, d.h. die Mütter geben die mit vom Touristen gekaufte Milch retour und teilen den Gewinn mit dem Supermarktbetreiber.
In Siem Reap haben wir die meisten Bettler, darunter auch viele Kinder und behinderte Menschen, gesehen. Sie halten sich vor Tempeln auf und stellen sich oftmals direkt in den Weg, um Geld zu bekommen. Fast alle wollen auf die Tränendrüse drücken und erzählen, wie arm sie wären. Und so mag es oftmals auch sein, aber man könnte Unmengen an Geld loswerden, wenn man jedem Glauben schenkt. Vor allem Kindern soll man kein Geld oder Süßigkeiten geben, da sie so lernen, dass Betteln zum Erfolg führt. Anfangs ist das schwierig, da man sieht, in welchem Elend manche Kambodschaner leben müssen, aber Almosen werden sie nicht retten. Besser ist es, Geld an eine gemeinnützige Organisation zu spenden, die den Menschen wieder eine Perspektive bietet. Solche Organisationen gibt es in Kambodscha glücklicherweise recht zahlreich.

Battambang

Nach einer ganzen Woche Siem Reap zogen wir weiter. Mit dem Bus ging es in rund vier Stunden Fahrzeit vom belebten Siem Reap ins ruhige Battambang. Für diese Fahrt bezahlten wir fünf Dollar pro Person. Die Landschaft zwischen den beiden Städten ist flach und unspektakulär. Die Provinz Battambang gilt als die „Reisschüssel des Landes“ und genau das findet man hier: Reisfelder, Reisfelder, Reisfelder und dazwischen immer wieder Wasserbüffel, die – ihrem Namen gerecht werdend – teils bis zum Hals im Wasser standen.

 

In Kambodscha sind nur die Hauptverbindungsstraßen asphaltiert, alle Nebenstraßen sind Pisten, die in der Regenzeit eher einer matschigen Rutschpartie als einer Straße gleichen. Der „Highway“ war im Begriff, auf dem Großteil der Strecke mehrspurig ausgebaut zu werden; aufgrund der Baustelle ging es noch langsamer voran. 60 km/h war wirklich das höchste der Gefühle. Wir wunderten uns über die geduldigen Anrainer, deren Zufahrten zu den Grundstücken einfach weggegraben worden waren, um Platz für die breitere Fahrspur zu machen. Die Menschen mussten über einfache Planken oder selbstgebastelte Leitern zu ihren Häusern gelangen. Obwohl wir wochentags unterwegs waren, war kaum Bautätigkeit zu beobachten. D.h. die Menschen mussten wohl eine sehr lange Zeit mit all dem Baustellendreck leben. Es schien sich aber niemand daran zu stören. In Hängematten, die in kleine Hütten gespannt waren, schliefen einige. Andere saßen auf den Böden in den Vorräumen der Häuser uns aßen. Im stark klimatisierten Bus beobachteten wir die Landschaft und das Treiben draußen. Oft winkten uns Kinder zu. Die typischen Khmer-Häuser sind Holz-Stelzen-Häuser, denn die Landschaft ist in der Regenzeit ständig überschwemmt. Der Boden ist so undurchlässig, dass große Mengen Erde angeschüttet werden müssen, um Baugründe zu schaffen, die nicht permanent im Wasser stehen. Blickt man in die Ferne, sieht man nur grüne Natur, blickt man in den Straßengraben leider nur Müll. Auch daran stört sich leider niemand. Hin und wieder passieren wir schöne buddhistische Tempel, die Schulen hingegen sehen sehr heruntergekommen und verlassen aus. Manchmal sieht man Kinder von der Schule nach Hause kommen. Aber viele sieht man neben der Straße spielen; sie werden von den Eltern nicht zur Schule geschickt. Oftmals müssen sie arbeiten, z.B. leere Getränkedosen sammeln oder Kleinigkeiten aus einem Bauchladen verkaufen.
Nach vier Stunden waren wir endlich angekommen. Anfang September trafen wir kaum andere Touristen an, auf den Straßen bewegte sich weniger Verkehr, das angebotene Essen war auf die kambodschanische Bevölkerung zugeschnitten, alles in allem zeigte sich die Stadt kaum touristisch. Bis auf einige Ausflüge ins Umland hat Battambang keine Sehenswürdigkeiten zu bieten. Einzig entlang des Boulevards am Tonle Sap Fluss, gesäumt von französischen Kolonialbauten, die teils renoviert, teils recht baufällig waren, ist es ganz nett, zu schlendern. Das Museum, von dem wir im Reiseführer gelesen hatten, hatte in der Nebensaison geschlossen, oder möglicherweise für immer. Das konnten wir nicht herausfinden. Für einen Ausflug in die Reisfelder, zum Bamboo-Train oder einer Krokodilfarm verlangten die Tuk-Tuk-Fahrer im Verhältnis zu jenen in Siem Reap unverschämt viel, sodass uns das gleich am Anfang die Laune darauf verdorben hat.
Auf der Suche nach dem dort vielgepriesenen „wahren“ kambodschanischen Essen durchstreiften wir die Straßen. Viele kochten die unterschiedlichen Speisen auf Holzkohle-Kochstellen direkt neben der Straße und boten die Speisen in Töpfen feil. Es gab keine Speisekarten und die Menschen sprachen kein Englisch, sodass wir uns mit Hand und Fuß verständigen mussten. Uns wurde ein Löffel in die Hand gedrückt, alle Töpfe wurden geöffnet und wir sollten kosten. Spannend. Jeder von uns wählte eine Speise, und wir bekamen sie mit Reis an den Tisch serviert. Dazu gab es unsgesüßten Eistee.

 

Es schmeckte nicht übel, aber die Speisen waren alle kalt. Außerdem wurde das Fleisch nicht in mundgerechten Happen in die Eintöpfe geschnitten, sondern musste vom Knochen gegessen werden bzw. fiel der Fisch von den Gräten und diese schwammen zu Hauf in der Soße. Leider verdarb ich mir an einem Stand den Magen und musste einen Tag mit Fieber im Bett verbringen. Ein Ausflug fiel also ohnehin flach. Insgesamt hinterließ Battambang einen etwas bitteren Nachgeschmack und wir zogen weiter in die Hauptstadt Kambodschas.

Phnom Penh

Der Bus startete mit einer Stunde Verspätung, also Business as usual in Kambodscha. Für die Fahrt bezahlten wir sechs US-Dollar pro Person. Hätte es eine Zugverbindung gegeben (Schienen gibt es nämlich), hätten wir diese gewählt, aber leider sind alle Eisenbahnstrecken eingestellt worden und private Buslinien florieren. Es wäre ohnehin verlorene Liebesmüh gewesen, denn die Züge müssten von Dieselloks gezogen werden, da es keine Oberleitungen gibt und daher elektrische und damit saubere Fortbewegung nicht möglich wäre.
Die Straßen waren im selben Zustand wie jene von Siem Reap nach Battambang. Erst kurz vor Phnom Penh wurde es besser und der Bus konnte ruhiger dahinfahren. Die Landschaft zwischen Battambang und Phnom Penh unterschied sich von jener zwischen Siem Reap und Battambang deutlich. Sie wurde hügeliger und bewaldeter. Es wechselten sich Palmen, Büsche, überschwemmte Flächen, Reisfelder mit Wasserbüffeln und Khmer-Stelzenhäuser ab; in den Ortschaften stets dasselbe Bild: Stände, Motorradwerkstätten, Baufirmen, Handygeschäfte, …

 

Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir nach knapp 7 Stunden Fahrtzeit in Phnom Penh an. Mit einem Tuk-Tuk-Fahrer fuhren wir für 3 Dollar zum Hotel. Die Lage war fantastisch. Direkt am Zusammenfluss von Tonle Sap und Mekong, davor eine schöne Promenade, der Königspalast und die Silberpagode waren in 5 Gehminuten erreichbar. Dennoch lungerten die Tuk-Tuk-Fahrer vor dem Hotel herum. In Phnom Penh waren sie besonders aufdringlich und überteuert. Wir wollten gar nicht mehr mit ihnen fahren. Am ersten Tag machten wir einen Stadtspaziergang und wollten zum Palast. Wir kamen leider erst um die Mittagszeit aus dem Hotel, da wir mit den Kindern Schulstoff nachgeholt hatten. Dass der Palast von 12 – 14 Uhr geschlossen hat, hatten wir nicht gewusst und sind daher ins nahegelegene Nationalmuseum gegangen. Die Eintrittspreise haben uns sehr überrascht. 10 Dollar pro Erwachsenem und 5 Dollar für Midori. Auf alten Tafeln konnte man erkennen, dass es mal 3 Dollar gekostet hat und im Reiseführer, der etwa drei Jahr alt ist, waren noch 5 Dollar ausgewiesen. Der Eintritt dürfte also alle paar Jahre verdoppelt werden … tja, der Fisch stinkt vom Kopf.
Das Gebäude selbst und besonders der Innenhof waren sehr schön und harmonisch gestaltet. Die Ausstellung machte den Eindruck, als wäre sie vor Jahrzehnten installiert worden und seitdem nicht großartig verändert worden. Außerdem waren die Schaukästen kaum bis schlecht geputzt. Für den Eintrittspreis würde man mehr erwarten. Die ausgestellten Exponate waren größtenteils aus den alten Tempeln der Angkor-Zeit. Zahlreiche Statuen von hinduistischen und buddhistischen Gottheiten, Türstürze aus Tempeln, Tafeln mit Inschriften, Alltagsgegenstände wie Töpfe, Schmuck usw. konnte man sehen. Aufgrund dessen, dass wir schon in Siem Reap gewesen waren, konnten wir die Exponate gut zuordnen und uns die einstig prächtige Ausstattung der Tempel noch besser vorstellen. Nach Durchlaufen der Ausstellung suchten wir uns ein schattiges Plätzchen im Innenhof und rasteten uns kurz aus. Hier war es angenehm ruhig und wir genossen die schöne Gartenanlage …

 

Anschließend gingen wir essen. Wir entdeckten endlich ein nettes Lokal (Kabbas Phnom Penh) unweit des Museums, das günstiges und gutes Essen servierte. Wir schlenderten an der schön angelegten Uferpromenade zurück zum Hotel und genossen das urbane Ambiente vom Rooftop des Hotels aus.

Am nächsten Tag besuchten wir den Königspalast und die Silberpagode, dieses Mal im Rahmen der Öffnungszeiten. Der Eintritt kostete wieder 10 Dollar pro Person.

 

Der Palast selbst durfte nicht betreten werden. Auch nicht der Thronsaal, wie wir es schon öfters gelesen hatten – man durfte lediglich von außen durch die Fenster blicken. Fast jedes Gebäude am royalen Gelände war für die Öffentlichkeit gesperrt. Wir gingen weiter zur angrenzenden Silberpagode. War man schon einmal in Bangkok im Königspalast und der Pagode des Emerald Buddha, ist man von der kambodschanischen Variante enttäuscht. Wesentlich weniger verziert, kaum geschmückt. Die Silber-Fliesen in der Pagode sind größtenteils abgedeckt; jene, die man sieht, sind mit hässlichen Paketklebebändern zusammengeklebt. Man wundert sich nicht mehr, dass das Land in solch einem Zustand ist, wenn man es nicht einmal im königlichen Areal schafft, anständig zu renovieren. Die Schaukästen sind alle uralt. Gut, das wäre noch kein Problem, aber sie wurden ewig nicht geputzt. In den Kästen Zentimeterhoch Staub und das Glas verschmiert, beschlagen und abgegriffen. Wirklich schade, dass sich niemand darum kümmert. Nicht einmal Opferungen werden dargebracht. Kein Räucherstäbchen, keine Lotusblüte, keine Früchte, kein Mönch in Sicht. Und genau in diesem Tenor geht es weiter. Was die Architektur betrifft, eifert man noch immer der alten Angkor-Zeit nach und zitiert die einzelnen Stilelemente auch in Neubauten. Nach 1-2 Stunden ist man fertig mit dem Rundgang und verlässt die Anlage. Hätten wir es nicht gemacht, hätten wir uns wahrscheinlich immer gefragt, ob wir nicht etwas verpasst hätten.
Vor dem Palast wurden wir von den wartenden Tuk-Tuk-Fahrern förmlich überfallen. Nicht nur, dass sie extrem aufdringlich waren, sie wollten auch ein freundliches „No, thank you“ nicht akzeptieren und schimpften uns hinterher.

Am Abend gingen wir nochmals essen und spazierten anschließend wieder über den Platz vor dem Palastgelände zurück Richtung Hotel. Es war ein Samstag und der Platz war dieses Mal voller Leben. Viele Kambodschaner kommen am Wochenende in ihre Hauptstadt, um u.a. den Königspalast zu besuchen. Sie genießen das weltstädtische Flair zwischen Palast und Mekong und wir verfolgte das rege Treiben ein Weilchen.

 

Phnom Penh hat uns insgesamt sehr überrascht: eine moderne Stadt, teilweise hübsch angelegt, eine breite Auswahl an Restaurants (auch international Küche), nette Menschen und ein vielfältiges Kulturprogramm.

Um uns vom urbanen und kulturellen Overkill etwas zu erholen, wollten wir ein paar schöne Tage in Kambodschas Nummer-1-Ferienort Sihanoukville verbringen.

Sihanoukville

Zunächst die Fakten: die Fahrt dauerte etwa sieben Stunden und kostete sieben Dollar pro Person.

Suchte ein Fotograf nach einer Musterstadt für ein Negativbespiel an Umweltverschmutzung und Hässlichkeit sollte er nach Sihanoukville kommen – hier wird er sich vor Motiven kaum erwehren können. So viel Müll, Bauschutt, verdreckte Flüsse und Strände haben wir noch nirgends auf der Welt gesehen. Entspannung ade!

Aber zurück zum Anfang:
Es dauerte eine halbe Ewigkeit allein, um aus Phnom Penh rauszukommen, da unser Minibus ständig anhielt, um noch jemanden zusteigen zu lassen. Die Fahrt ging dann über schlechte Straßen bei dichtestem Verkehr auf der Hauptader des Landes in den Süden. Blickte man vorne aus dem Fenster, fragte man sich, ob man heil ankommen würde. Die Überholmanöver waren katastrophal. Die Landschaft unterschied sich von jener zwischen Siem Reap und Battambang. Hier dominierten nicht offene Flächen mit Reisfeldern, sondern eher bewachsenere Landstriche mit Palmen und Buschland.
Schon von weitem sahen wir die vielen Baukräne in und um Sihanoukville. Es scheint, als wäre jedes freie Fleckchen von einem chinesischen Investor gekauft bzw. gemietet worden und in jenen Parzellen, die noch frei waren, steckten Werbeschilder in chinesischer Sprache, die sie zum Verkauf anpriesen. Überall entstehen Hotelanlagen und Resorts. Für jeden (chinesischen aber auch russischen) Geschmack ist etwas dabei. Teilweise werden ganze Inseln gepachtet und mit Hotels bebaut. Der Bauboom scheint unaufhaltsam und man möchte sich gar nicht vorstellen, wie es hier in 10 Jahren aussieht. Kambodscha überlässt sein Land ausländischen Geldgebern …

In der Stadt selbst gibt es zahlreiche Casinos, Supermärkte, Restaurants, Banken, etc. Vieles ist nur auf kambodschanisch und chinesisch angeschrieben. Mit Touristen aus Europa, Australien oder Amerika rechnet man offensichtlich nicht.

Wir hatten einen Bungalow in der Nähe des Otres-Strandes, der etwa 5 Kilometer außerhalb von Sihanoukville liegt, gebucht, doch als wir endlich dort angekommen waren, war niemand da. Wir warteten ein Weilchen, aber leider kam niemand. Also schulterten wir wieder unsere (schweren) Rucksäcke und marschierten Richtung Strand. Dort reihte sich sowieso eine Anlage an die andere und im Vorbeifahren hatten wir gesehen, dass es Bungalows um 5 Dollar pro Nacht gab. Wir klapperten ein paar Anlagen ab, einige waren ausgebucht, andere hatten keine Gäste. Alle Bungalows, die Beachfront lagen, hatten keine Badezimmer; man sagte uns, dass das wegen der Abwässer nicht erlaubt sei. An dieser Stelle sei erwähnt, dass an den Stränden hier sehr viel Plastikmüll liegt und viele ihre Abwässer ins Meer leiten. Gut, mittlerweile war es schon finster geworden und wir wollten endlich eine warme Mahlzeit und ein Dach über dem Kopf. Wir entdeckten ein günstiges Hostel mit Namen „wish you were here“ und fühlten und gleich angesprochen. In einem sehr einfachen Zimmer im Holzverschlag direkt über der Bar schliefen wir um 8 Dollar pro Nacht. Es war nicht unsere Traumunterkunft, aber immerhin hatten wir mal was. Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend auf der Suche nach einem schönen Plätzchen am Strand und einer besseren Unterkunft. Dies stellte sich gar nicht als so einfach heraus. Daher suchten wir am Abend im Internet nach einem Zimmer und wurden fündig. Nur 100 m vom Hostel entfernt lag ein Beach Resort, eine einfache Bambushüttenanlage in einem schönen Garten. Immerhin hatten wir große bequeme Betten, ein eigenes Badezimmer und eine Sitzgelegenheit vor dem Zimmer. Hier funktionierte allerdings das WIFI schlecht – im Zimmer gar nicht, was den „häuslichen Unterricht“ mit den Kindern schwierig gestaltet. Vor allem Midori hat viele ihrer Bücher online und so konnten wir nur sehr eingeschränkt arbeiten.

Einen einzigen schönen Tag verbrachten wir am Strand – unseren kleinen Abschnitt hatten wir vorher von Plastikmüll befreit. Würde jeder am Strand nur eine Viertelstunde opfern, wäre er im Handumdrehen gereinigt. Leider kümmert sich aber niemand darum und vor allem die lokale Bevölkerung hat überhaupt kein Bewusstsein dafür.

Am Strand wurden wir von einem Local angesprochen, ob wir nicht eine Bootstour zu den vorgelagerten Inseln mit Schnorcheln, Klippenspringen, Angeln, Frühstück und Mittagessen (alles zusammen um nur 15 Dollar pro Person) machen wollten. Da das Essen hier allein schon sehr teuer war und wir ohnehin ein schönes Erlebnis im Gepäck haben wollten, willigten wir ein un buchten den Trip. Man sagte uns, wir würden um 9:30 Uhr von unserem Quartier abgeholt und zur Bootsanlegestelle gebracht werden. Nun muss man dazusagen, dass es die ganze Nacht davor geschüttet hat, erst am Morgen klärte der Himmel auf. Wie vereinbart wurden wir pünktlich abgeholt und zum Bootsanleger gebracht, einem unglaublich hässlichen Fleckchen Erde – die Menschen dort lebten in einfachen Bretterverschlägen mit Planendach, ohne Fußboden. Am Boden lag überall Müll, doch sie räumten ihn nicht einmal von dort weg, wo sie ihre Tische und Stühle stehen hatten, sondern lebten einfach darauf. Zwischen den Müllsäcken und dem losen Müll pickten Hühner nach Essbarem, zwischendurch huschte eine Ratte vorbei. Dort sollten wir frühstücken? Uns wurde nichts angeboten. Als wir ankamen, sollten wir gleich ins Boot einsteigen. Später erfuhren wir, dass es Kokosnuss zum Trinken und ein leeres Baguette gegeben hätte. Mit uns kam ein belgisches Paar, Julie und Kevin. Wir fragten den Bootskapitän noch beim Einsteigen, ob die Wellen okay wären, denn das Meer wirkte recht rau. Der Mann am Boot meinte, dass es kein Problem sei. Also suchten wir uns alle ein Plätzchen und starteten. Doch unmittelbar nach dem Start, ein kleines Stück vom Strand entfernt, schwappte plötzlich eine riesige Welle über das Boot und spülte Damian von der Sitzplanke. Glücklicherweise hatte er sich nicht verletzt. Alle schrien und ich war völlig fertig. Hastig gab uns der Bootsjunge, der die Situation anfangs offenbar auch ungefährlicher eingeschätzt hatte, Schwimmwesten, der Bootskapitän fuhr unbeirrt weiter. Wir krallten uns am Boot fest und wussten gar nicht wie uns geschah. Die Wellen peischten uns ins Gesicht und das Boot bewegte sich gefährlich auf und ab und schwankte stark hin und her. Nach etwa zwanzigminütiger Fahrt waren wir in ruhigerem Wasser vor der nächstgelegenen Insel angekommen. Das Boot stoppte und die beiden Kambodschaner meinten, wir könnten hier schnorcheln. Äh, Schnorcheln? Für den Moment war uns nicht danach. Unsere belgischen Leidgenossen meinten auch, dass sie am liebsten so schnell wie möglich wieder zurückkehren und aus dem Boot raus wollten. Das wichtigste sei aber die Sicherheit. Die beiden Kambodschaner zeigten sich unbeeindruckt; sie waren solche Wellengänge offensichtlich gewöhnt und konnten unsere Aufregung nicht nachvollziehen.
Nach einigen Telefonaten mit dem Verantwortlichen an Land, kamen wir überein, dass wir besser dort etwas warten sollten bis die Wellen niedriger würden.  Für uns war klar, dass sie das Geld nicht zurückzahlen wollten und daher den Trip einfach durchziehen wollten. Wir bestanden also darauf, dass wir dort blieben wo wir waren, denn dort war das Meer ruhig und wir warteten einfach ab. Als ein Boot mit fröhlich winkenden Chinesen neben uns ankerte, und alle ins Meer hüpften, um zu schnorcheln, beschlossen wir, dies auch zu tun. Was sollten wir sonst hier machen? Das Meer war zwar aufgewühlt und daher die Sicht nicht besonders gut, aber man konnte einige schöne Korallen, Fische uns Seeigel erkennen. Das Wasser war zudem wärmer als die Luft draußen. Schließlich kochte der Bootskapitän ein leckeres Hühnchenfilet mit Baguette und Salat und wir waren besänftigt. Kurz nach Mittag war der Wellengang niedriger und wir konnten – für unser Gefühl – gefahrlos zurückkehren.

 

Tja, im Nachhinein muss man sagen, dass wir wahrscheinlich von der ersten Welle so geschockt waren, dass wir das ganze Unternehmen als gefährlicher eingestuft hatten, als es tatsächlich war, denn sonst wären die Kambodschaner nicht so ruhig geblieben. Dennoch würden wir nur mehr bei schönem Wetter eine Bootstour machen. Immerhin haben wir zwei wirklich nette Menschen kennengelernt – Julie und Kevin. Sie haben uns später übrigens ein Video der Welle zur Verfügung gestellt: Bootstour des Grauens

Das Tüpfelchen auf dem i kam aber noch am Ende des Ausflugs. Wir stiegen vom Boot, leicht erschöpft, Kleidung und Rucksäcke samt Inhalt nass und warteten darauf, von einem Tuk-Tuk wieder zurück in unsere Hotels gebracht zu werden. Zunächst unterhielten wir uns noch mit Julie und Kevin, ließen den Tag nochmals Revue passieren. Die anwesenden Kambodschaner – es waren gut zehn Personen – ignorierten uns völlig in ihrer vermüllten Hütte und würdigten uns keines Blickes.  Nach gut 20 Minuten fragen wir nach, wo unsere Rückfahrgelegenheit bliebe. Keiner wollte davon etwas wissen. Der vorhin so gesprächige Reiseveranstalter (Mickey und Mr. Ra von NARA-Tours) meldeten sich plötzlich nicht mehr am Telefon. Man sagte uns, dass der Rücktransport nicht inkludiert sei. Ratlosigkeit über diese Dreistigkeit war uns wohl ins Gesicht geschrieben. Wir erwiderten, dass uns das bei Buchung des Trips zugesichert worden sei und dass das eine Selbstverständlichkeit sei. Man holte uns also doch ein Tuk-Tuk und wir stiegen alle ein. Zunächst fuhr der Fahrer zur Anlage unserer belgischen Begleiter und ließ sie aussteigen. An diesem Punkt stellte sich heraus, dass er von uns bezahlt werden wollte. Er wisse nichts von einem Deal mit NARA-Tours und sei nur gerufen worden, uns zu fahren. Unglaublich wie respektlos die Kambodschaner ihre Kunden behandeln. Abermals telefonierten wir mit dem Reiseveranstalter. Dieses Mal hielten wir uns kein Blatt mehr vor den Mund und machten unserem Unmut Luft. Es brachte zwar nichts, den Tuk-Tuk-Fahrer mussten wir bezahlen, aber hiermit warnen wir alle Kambodscha-Reisenden, bei Deals mit Einheimischen besonderes Augenmerk auf Details zu legen und alles schriftlich bestätigen zu lassen, außerdem diese Bestätigungen noch abzufotografieren, um auch dann noch einen Beweis zu haben, wenn die Tickets abgesammelt werden. Leider muss dieses Volk noch sehr viel über den Umgang mit Kunden bzw. Menschen im Allgemeinen lernen. Ein Gast ist nicht im Land, um wie eine Zitrone ausgepresst zu werden, sondern um ihm einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu bereiten, damit er wiederkommt.

Visum für Vietnam

Nach Sihanoukville wollten wir nach Vietnam weiterziehen. Dafür mussten wir allerdings im Vorfeld ein Visum besorgen. Leider gibt es für vietnamesische Visa keinen festgeschriebenen Preis. Man bekommt aus dem Internet und von Visavermittlern recht unterschiedliche Informationen. Offenbar kommt es auch darauf an, bei welcher vietnamesischen Botschaft man das Visum beantragt. Nun waren wir schon mal in Sihanoukville und machten es daher dort. Man kann sich das Visum auch machen lassen. Das kostet allerdings je nach Anbieter 10 bis 15 Dollar mehr pro Person. Für uns war klar, dass wir das selbst in die Hand nehmen würden, da wir zu viert waren und es für uns um 40 bis 60 Dollar mehr über eine Agentur gekostet hätte. Allerdings würde die Tuk-Tuk-Fahrt allein schon 15 Dollar kosten und ohne einen Pass zu hinterlegen, kann man kein Motorbike ausleihen. Wir fanden dann einen Verleih, der statt des Passes Geld als Pfand annahm; Andi besorgte die Visas. Für ein Einmonats-Visum verlangte die Botschaft 40 Dollar und für ein Dreimonats-Visum 55 Dollar, beide Single Entry. Für Multiple Entry muss man nochmals 20 Dollar mehr rechnen. Da wir von vielen Reisenden gehört hatten, dass Vietnam wunderschön und billiger, die Leute freundlicher und das Land insgesamt sauberer als in Kambodscha sei, entschieden wir uns für das Visum mit dreimonatiger Gültigkeitsdauer. Nach 24 Stunden war es abholbereit.

Wir überlegten, nachdem wir das Visum in der Tasche hatten, ob wir noch länger in Kambodscha bleiben sollten oder gleich nach Vietnam weiterziehen sollten. Aber als wir uns umblickten, war für uns klar, dass wir so schnell wie möglich wegwollten. Also buchten wir einen Bus nach Phu Quoc Island in Vietnam, damit wir diese gottverlassene Gegend endlich hinter uns lassen konnten. Aber das ist eine andere Geschichte …

Resümee über Sihanoukville: Sihanoukville ist keine Reise wert! Es ist dreckig, vermüllt, überteuert, unfreundlich – hier spürt man keine guten Vibes. Für die Inseln davor (Koh Rong) können wir nicht sprechen, da wir nicht dort waren. Wir haben allerdings von anderen Reisenden gehört, dass sie sehr schön sein sollen.

Das letzte Wort:

So negativ wollen wir unseren Reisebericht über Kambodscha aber nicht enden lassen. Wir haben auf unserer Reise auch sehr nette, interessante und ehrliche KambodschanerInnen kennengelernt. Ein beachtliche Zahl spricht sehr gut und akzentfrei Englisch und ist offen für Fremde. Auch ist das Land nicht als Ganzes eine einzige Müllhalde. Es gibt viele schöne Fleckchen, und an vielen weiteren waren wir gar nicht. Oftmals liegt es nicht in der Verantwortung der Bevölkerung, wie gut ein Land „funktioniert“, sondern in jener seiner Regierung. Als Europäer ist es natürlich einfach, die Lösung zu sehen, aber die Probleme gehen oftmals sehr viel tiefer und sind von außen schwer zu ergründen. Deshalb möchten wir uns hier nicht anmaßen, irgendetwas besser zu wissen. Dieser Bericht spiegelt lediglich unsere Erfahrungen wider und davon hatten wir bei weitem mehr positive als negative.

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